Vom Wettkampfdebüt zum Weltrekord – die erstaunliche Premierensaison unserer Eisschwimmer

Vom Wettkampfdebüt zum Weltrekord – die erstaunliche Premierensaison unserer Eisschwimmer
6. März 2026 Thomas K. Hamann
Thomas K. Hamann
In Uncategorized

In ihrer ersten vollständigen Wettkampfsaison sorgen die Eisschwimmer der SG Stadtwerke München für Aufsehen: Weltmeistertitel, ein Weltrekord und zahlreiche Podestplätze zeigen, welches Potenzial in diesem erst seit kurzem bestehenden Team steckt.

 

 

Über dem Wasser hängt ein feiner Nebel, der Atem der Athleten wird zu kleinen Wolken in der frostigen Luft. Das Thermometer zeigt Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Wasseroberfläche liegt spiegelglatt – kaum vorstellbar, daß hier gleich ein Wettkampf stattfinden wird.

Die Schwimmer kommen aus dem Vorstartzelt auf die Plattform. Ein kurzer Blick ins Wasser, dann die Kommandos des Starters:

„Take off your clothes!“ Die letzten warmen Schichten fallen.

„Get in the water!“ Über eine Leiter steigen die Athleten zügig ins Wasser – ein Sprung wäre bei diesen Temperaturen zu gefährlich. Der Körper reagiert sofort auf den Kälteschock.

„Take your marks!“ Stille.

Dann das Startsignal. Und plötzlich brodelt das eiskalte Wasser.

Willkommen beim Eisschwimmen!

 

Ein Projekt nimmt Fahrt auf

Für die SG Stadtwerke München begann die Reise in diese besondere Form des Schwimmsports bereits im Winter 2024/25. Mareike Förster und Thomas K. Hamann wagten erste Trainingseinheiten im kalten Freiwasser. Eine gesundheitlich bedingte Sportpause zwang das kleine Projekt jedoch noch während der Saison zu einer Pause – eine Wettkampfteilnahme kam damals nicht mehr zustande.

Ein Jahr später folgte nun der zweite Anlauf. Und diesmal entwickelte sich aus den ersten vorsichtigen Schritten im kalten Wasser rasch eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte.

In der Wintersaison 2025/26 trat erstmals ein kleines Eisschwimm-Team der SG Stadtwerke München bei Wettkämpfen an. Neben Mareike Förster und Thomas K. Hamann stieß später auch Jutta Averbeck dazu.

Die Saison führte das Team zu sechs Veranstaltungen – vom Silbersee Ice-Cup (Wassertemperatur: 5,2 °C) in Langenhagen über die Burghausen Open (5,3 °C) und den vEItSbad Cup in Veitsbronn (0,5 °C) bis zu den Zollhaus Open im Erzgebirge (2,4 °C), dem Hallstättersee Eisschwimmen (3,5 °C) und schließlich zur Winter Swimming World Championship in Oulu, Finnland (-0,2 °C).

Am Ende standen insgesamt 28 Wettkampfstarts über Distanzen von 50 bis 1.000 Meter – und eine Bilanz, die selbst in einer Sportart voller außergewöhnlicher Leistungen heraussticht.

 

Erfolge in der offenen Klasse

In der offenen Klasse – also über alle Altersklassen hinweg – erreichten unsere Athleten 17 Podestplätze: elf Siege, fünf zweite Plätze und einen dritten Platz.

 

Für Thomas K. Hamann entwickelte sich das Eisschwimmen dabei zu einer neuen sportlichen Herausforderung. Beim Deutschland-Ice-Cup, der über vier Stationen erstmals unter dem Dach des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) ausgetragen wurde, belegte er Platz zwei in der offenen Gesamtwertung – knapp hinter DSV-Kaderschwimmer Kilian Graef (SC Regensburg).

Auch international sammelte er wichtige Punkte: Mit seiner Teilnahme an den Zollhaus Open, eine von vier Venues der World Cup Series der International Ice Swimming Association (IISA), erreichte er in dieser Serie Platz 30 unter 170 Herren weltweit.

Thomas K. Hamann beim vEItSbad Cup 2026: Sechs Starts – sechs Podestplätze in seiner Altersklasse

 

Die eindrucksvollste Geschichte dieser Saison schrieb jedoch Mareike Förster. Bereits mit wenigen Wettkämpfen gelang ihr der Sprung in die internationale Eisschwimm-Elite. In der IISA World Cup Series belegte sie Platz 33 unter 180 Teilnehmerinnen weltweit, obwohl sie nur an einer der vier Venues teilnahm.

Der Höhepunkt folgte beim letzten Wettkampf der Saison: der Winter Swimming World Championship 2026 der International Winter Swimming Association (IWSA) in Oulu, Finnland. Bei -0,2 °C Wassertemperatur errang Mareike bei nur ihrem vierten Eisschwimm-Wettkampf überhaupt

  • Gold über 200 m Brust
  • Gold über 100 m Brust
  • Gold über 50 m Brust sowie
  • Platz zwei über 200 m Freistil.

Siegerehrung der Altersklasse 20-29 über 200 m Brust bei der Winter Swimming World Championship: Christina Gockeln (GER), Mareike Förster (GER) und Marion Joffle (FRA) (v.l.)

Und damit nicht genug: Über 200 m Brust schwamm sie mit 2:56,69 Minuten zu einem neuen altersklassen-übergreifenden Weltrekord und unterbot die bisherige Bestmarke der Polin Aleksandra Bednarek aus dem Jahr 2018 (3:00,53 Minuten) deutlich.

Winter Swimming World Championship 2026 (IWSA): Neuer Weltrekord über 200 m Brust

 

Erfolge in den Altersklassen

Auch in den Altersklassenwertungen zeigte das Team eine beeindruckende Bilanz.

Für Jutta Averbeck begann ihre Eisschwimm-Karriere mit einem Paukenschlag: Bei ihrem ersten Wettkampf wurde sie auf Anhieb Deutsche Vizemeisterin über 100 m Brust in ihrer Altersklasse.

Jutta Averbeck bei den Zollhaus Open 2026: Auf dem Weg zur deutschen Vizemeisterschaft über 100 m Brust in ihrer Altersklasse

 

Auch Thomas K. Hamann war bei vielen Starts in seiner Altersklasse erfolgreich. Bei den Zollhaus Open (Deutsche Meisterschaften im Eisschwimmen) wurde er

  • Deutscher Meister über 1.000 m Freistil
  • Deutscher Meister über 100 m Brust
  • Deutscher Vizemeister über 500 m Freistil sowie
  • Deutscher Vizemeister über 250 m Freistil.

Zusätzlich gewann er die Gesamtwertung des Deutschland-Ice-Cups in seiner Altersklasse.

 

Eisschwimmen – weit mehr als Eisbaden

Eisschwimmen wird häufig mit dem derzeit populären Eisbaden verwechselt. Doch der Unterschied ist grundlegend. Während beim Eisbaden das passive Verweilen im kalten Wasser im Mittelpunkt steht, ist Eisschwimmen ein leistungsorientierter Wettkampfsport mit klar definierten Distanzen, Zeitmessung und internationalen Ranglisten – meist bei Wassertemperaturen von fünf Grad Celsius oder weniger.

Der Körper reagiert auf diese Bedingungen sofort: Atmung, Puls und Muskulatur verändern sich innerhalb weniger Sekunden. Wer hier erfolgreich sein will, braucht neben körperlicher Fitness vor allem mentale Stärke und Erfahrung im Umgang mit Kälte.

„Das Schwimmen selbst war super. Nach zwanzig Minuten in der Sauna hatte das Zittern aufgehört.“
— Thomas K. Hamann nach seinem ersten 1.000-Meter-Rennen

 

Nach der Premierensaison beginnt das nächste Kapitel

Nach dieser ersten vollständigen Wettkampfsaison steht fest: Unsere Eisschwimmer können national und international mithalten.

Und die Reise hat gerade erst begonnen. Das nächste große Ziel steht bereits fest: die IISA World Championships 2027 in Oradea, Rumänien.

 

Eisschwimmen – einfach mal ausprobieren!

Rund um die Trainingsgruppe, die sich regelmäßig an den Münchner Seen zur Akklimatisierung im kalten Wasser trifft, wächst inzwischen das Interesse an dieser besonderen Form des Schwimmsports. Die Einstiegshürde ist dabei niedriger, als viele glauben. Bis Ostern trifft sich die Gruppe weiterhin regelmäßig zum gemeinsamen Training im Freiwasser. Wer neugierig ist, kann einfach vorbeikommen. Vielleicht beginnt alles mit einem vorsichtigen Schritt ins kalte Wasser. Ein kurzer Atemzug. Und der Erkenntnis, daß man zu mehr fähig ist, als man vorher dachte. Denn Eisschwimmen beginnt im Kopf. Und wächst – Schritt für Schritt – im Team.

Wir freuen uns über weitere Mitstreiter, die sich dieser faszinierenden Herausforderung anschließen möchten.

Alles beginnt mit einem ersten Schritt ins kalte Wasser.

 

— Thomas K. Hamann

Comments (0)

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*